Die Blockchain und Digitalisierung sind derzeit in aller Munde. Was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie in unserem Artikel zur Blockchain. Wo die Vorteile einer konkreten Anwendung dieser Technologie liegen, erläutert Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die LBBW hat in Kooperation mit der Daimler AG diese Technologie erstmalig bei der Begebung eines Schuldscheins eingesetzt und damit ein neues Anwendungsgebiet erschlossen.

Sparkasse Mainz: Die Blockchain-Technologie ist bislang zumeist mit Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoin, in Verbindung gebracht worden. Wie sieht die geplante Anwendung der Technologie bei Ihnen aus?

Joachim Erdle: Die Blockchain-Technologie eröffnet uns völlig neue Wege, Prozesse einfacher und effizienter zu gestalten. Neue Geschäftsmodelle entstehen und wir als Bank wollen diese Potenziale nutzen, um die Dienstleistungen für unsere Kunden weiter zu verbessern. Hierbei wollen wir insbesondere die bewährte Funktion von Banken als vertrauenswürdigem Vermittler in die digitale Welt übertragen. Unser erstes Projekt, bei dem die Blockchain-Technologie zum Einsatz kommt, ist die Begebung eines Schuldschein-Darlehens. Dafür verwenden wir bei unserer Kooperation mit Daimler die Private Blockchain. Das Prinzip ist das gleiche, wie bei der Public Blockchain, jedoch besteht der Teilnehmerkreis aus professionellen Teilnehmern und erfüllt höchste Qualitätsansprüche.

 

Sparkasse Mainz: Welche Vorteile verspricht sich die LBBW vom Einsatz der Blockchain in einem solchen Verfahren?

Joachim Erdle: Im klassischen Verfahren übernimmt die Bank eine zentrale Rolle. Sie prüft den Darlehensnehmer, gestaltet die Verträge und führt die Investorenansprache durch, übernimmt das Orderbuchmanagement, tätigt die Auszahlungen und übernimmt umfangreiche Verwaltungsaufgaben über den gesamten Lebenszeitraum des Darlehens. Hier besteht enormes Optimierungspotenzial, da notwendige Informationen und Verträge bislang weitgehend analog verwaltet werden. Nach wie vor sind am Ende sogar Fax- oder Email-Bestätigungen nötig. Die Blockchain-Technologie kann hier für vereinfachte und beschleunigte Abläufe sorgen und macht dadurch das Geschäft für unsere Kunden einfacher und schneller.

Sparkasse Mainz: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Daimler auf diesem noch recht jungen Gebiet für Sie dargestellt?

Joachim Erdle: Unser Fazit fällt absolut positiv aus. Wir wollen Hand in Hand mit Kunden die Blockchain-Technologie weiterentwickeln. Und zwar immer anwendungsbezogen und praktisch nutzbar. Für das Pilotprojekt war Daimler der ideale Partner, weil das Unternehmen, ebenso wie wir, ein hohes Interesse an der Blockchain-Nutzung hat. Die agile interdisziplinäre Arbeit mit den Kunden in einem gemeinsamen Projektteam war für uns sehr aufschlussreich. Wir sind uns hier ganz anders begegnet, als in der bisherigen Zusammenarbeit. Eine wichtige Erfahrung für eine Zukunft, in der sich Finanzierungsparteien stärker vernetzen und die Rolle von Marktteilnehmern ändern.

Sparkasse Mainz: Herr Erdle, wir danken für das Interview.