Die Sommermonate gelten als traditionell schwache Aktienzeit. Nach der Dividendensaison ist das Interesse an Unternehmenswerten bis in den Herbst hinein schwach, bevor dann das Jahresende in den Blick kommt und damit der Wunsch nach höheren Aktienbeständen und -bewertungen. Allerdings sind saisonale Aspekte immer nur ein Einflussfaktor auf das Kursgeschehen, und sie werden schnell von wirtschaftlichen Themen überlagert. So in dieser Woche etwa durch die verstärkte Diskussion um den Zinskurs der Notenbanken. Mit weiterhin guter Konjunktur und dem mittlerweile hinreichend dokumentierten Willen der großen Zentralbanken zur Beendigung der geldpolitischen Sonderprogramme fragen sich die Investoren mehr und mehr, welche Auswirkungen dies auf ihre Märkte hat.

Dabei wird jedoch nach dem ersten Erkenntnisschock, dass „es“ – die geldpolitische Straffung – nun losgeht, auch wieder die Einsicht kommen, dass die Umkehr der Notenbankpolitik ein sehr langwieriges Geschäft ist. Eine schleppende Inflationsentwicklung auch in diesem Jahr wird erneut Zweifel an der Möglichkeit eines geldpolitischen Ausstiegs aus der Nullzinspolitik säen. Die Aktienmärkte sollten daher auch in der zweiten Jahreshälfte wieder sonnige Tage sehen. Und langfristig muss sich unter den Marktteilnehmern erst noch ein Konsens darüber bilden, wie weit denn die Zinsen überhaupt angehoben werden können. Solange sichere Anlagen einen negativen Realzins erwirtschaften, bleibt ein wichtiges Argument für Aktien bestehen.