Das Hauptaugenmerk der Märkte lag in dieser Woche auf Spanien und Italien. Während in Spanien die Zeichen auf Neuwahlen stehen und der neue sozialistische Regierungschef Sánchez den wirtschaftspolitischen Kurs seines konservativen Vorgängers beibehalten will, wird die Lage in Italien die Entwicklung der nächsten Wochen bestimmen: Denn obwohl ein eher Euro-freundlicher Finanzminister installiert wurde, stehen die Zeichen auf Konfrontation mit den europäischen Partnern. Das Zurückdrehen von Strukturreformen, massive Ausgabensteigerungen sowie der deutliche Bruch mit der traditionell pro-europäischen Politik Italiens führen zu starken Verunsicherungen der Marktakteure. Es verwunderte daher nicht, dass der DAX unentschlossen um seine 200-Tage-Linie pendelte und positive Impulse – unter anderem durch US-Technologiewerte – nur geringe Auswirkungen hatten.

Die neue Börsenwoche wird bestimmt sein durch das G7-Treffen und den Handelsstreit zwischen USA und EU, in dem die Europäer Vergeltungszölle auf Whiskey, Jeans und Motorräder ab Juli angekündigt haben. Dies und die Lage in Italien werden sich in den Konjunkturerwartungen widerspiegeln. Darüber hinaus steht neben dem Fed-Zinsentscheid, bei dem mit einem weiteren Zinsschritt zu rechnen ist, die Diskussion des EZB-Rats über die Zukunft des Anleihekaufprogramms an. Wahrscheinlich wird eine Entscheidung dazu erst im Juli verkündet. Ein Ende der Käufe erscheint jedoch trotz – oder gerade wegen – der Unsicherheiten in Italien im vierten Quartal 2018 realistisch und würde auch den Markterwartungen entsprechen.