Wieder hatten die Aktienmärkte eine Reihe von politischen Pillen zu schlucken. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen beschloss die Europäische Union, vorerst an den Vereinbarungen festzuhalten. Dem Rohölpreis kam dies kaum zugute. Noch können die Börsen dies ignorieren, denn die konjunkturellen Gefahren halten sich in Grenzen. Im Handelsstreit gingen die Verhandlungen weiter: China und Europa suchen nach Wegen, den US-amerikanischen Bedürfnissen nach mehr Auslandsgeschäft entgegenzukommen. Im Schatten einer recht freundlichen Börsenwoche stiegen am US-Anleihemarkt die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen über die 3-Prozent-Grenze. Hintergrund hier: die amerikanische Notenbank (Fed) sollte bei weiterhin anständigen konjunkturellen Zahlen aus den USA die Geldpolitik langsam und planmäßig weiter straffen.

Eurozone: Stimmung der Wirtschaft weiterhin gut

Die europäische Konjunktur hat im ersten Quartal spürbar an Schwung verloren. Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone ist aber nach wie vor gut. Auch die Einkaufsmanagerindizes für den Mai dürften dies in der kommenden Woche wieder zum Ausdruck bringen. Dies gilt sowohl die Industrie als auch für die Dienstleister. Der wahrscheinliche erneute Rückgang ist jedoch in erster Linie als Normalisierung zu interpretieren und weniger den aktuellen Unsicherheitsfaktoren wie Protektionismus, Ölpreisanstieg, US-Dollar-Stärke oder mühsame italienische Regierungsfindung geschuldet. Ein gewisser Teil der Eintrübung resultiert auch daraus, dass in einigen europäischen Ländern Personalengpässe und lange Lieferzeiten bereits zentrale Themen der Wirtschaft sind. Das ifo Geschäftsklima wird freundlich genug ausfallen, um keine Konjunktursorgen auszulösen.