Fristen, Strafen und Bescheinigungen: Was Sie bei Ihrer Steuererklärung für 2020 unbedingt beachten sollten

Belege sortieren, Formulare ausfüllen und Fristen einhalten: Die Abgabe der Steuererklärung stellt viele Menschen jedes Jahr vor eine Herausforderung. Die Steuererklärung für 2020 ist dabei keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil: Aufgrund von pandemiebedingtem Homeoffice und Kurzarbeitergeld stellen sich für viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch zusätzliche Fragen. Wir geben Ihnen wichtige Tipps für Ihre Steuererklärung 2020 und erklären Ihnen, auf welche Dinge Sie in diesem Jahr besonders achten sollten.

9 wichtige Tipps für Ihre Steuererklärung 2020

Tipp 1: Prüfen Sie, ob Sie zur Abgabe einer Steuererklärung 2020 verpflichtet sind – und falls nicht, ob es nicht trotzdem Sinn für Sie macht

Nicht jeder Mensch in Deutschland ist verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben. Wer zum Beispiel nur ein geringes Einkommen hat, kann darauf verzichten. Für 2020 liegt der Grundfreibetrag für Singles bei 9.408 Euro. Und für Ehepaare, die gemeinsam eine Steuererklärung abgeben, bei 18.816 Euro. Auch Arbeitnehmer der Steuerklasse 1, die nur Einnahmen aus ihrer Festanstellung haben, müssen keine Steuererklärung abgeben. Das Gleiche gilt für Verheiratete, die sich beide für die Steuerklasse 4 entschieden haben. Doch gerade für diese Gruppen lohnt es sich in der Regel, eine Steuererklärung abzugeben.

Wer als Arbeitnehmer zum Beispiel hohe berufliche Ausgaben hat, etwa in Form von teuren Arbeitsmitteln, einem separaten Arbeitszimmer oder einer beruflich genutzten Bahncard, kann diese zumindest anteilig als sogenannte „Werbungskosten“ von der Steuer absetzen und so Geld vom Staat zurückbekommen. Dies geschieht nach Prüfung durch das Finanzamt – und setzt natürlich das Einreichen einer Steuererklärung voraus.

Wichtig: Haben Sie im Jahr 2020 mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bezogen, sind Sie dazu verpflichtet, eine Steuererklärung für 2020 abzugeben.

Tipp 2: Beachten Sie die geltenden Abgabefristen für das Steuerjahr 2020

Seit 2019 gilt eine neue allgemeine Abgabefrist für Steuerzahler, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind (dazu gehören zum Beispiel zusammenveranlagte Ehepartner mit Steuerklassenkombination 3 und 5, sowie Ehepaare mit Steuerfaktor 4). Die allgemeine Regelung besagt, dass die jährliche Einkommensteuererklärung bis zum 31. Juli beim Finanzamt eingegangen sein muss. Gut zu wissen: Da dieser Tag in 2021 auf einen Samstag fällt, verlängert sich die Frist auf den darauffolgenden Montag. Wer die Steuer für 2020 einreichen muss, hat dafür bis zum 2. August 2021 Zeit.

Für den Fall, dass Sie sich von einem Steuerberater bei der Steuererklärung für 2020 unterstützen lassen, können Sie Ihre Erklärung noch bis zum 28. Februar 2022 beim Finanzamt einreichen.

Sind Sie nicht verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, reichen jedoch freiwillig eine ein, sind Sie nicht an die oben genannten Fristen gebunden. Stattdessen haben Sie bis zu vier Jahre Zeit, die Erklärung nachzureichen. Für Ihre Steuererklärung 2020 bedeutet das: Ihre Frist läuft erst zum 31. Dezember 2024 ab.

Tipp 3: Vermeiden Sie Verspätungen, um mögliche Strafzahlungen zu verhindern

Das Finanzamt kann einen Verspätungszuschlag verlangen, wenn Sie die Fristen für Ihre Steuererklärung nicht einhalten. Konkret bedeutet das: Wer verpflichtet ist, eine Steuererklärung für 2020 abzugeben, diese aber erst zwischen August 2021 und Februar 2022 abgibt, riskiert eine Strafe. Kommt die Steuererklärung noch später, also ab März 2022, sind Verspätungszuschläge sicher. Die Höhe dieser Strafzahlungen ist gesetzlich geregelt: Mindestens 25 Euro pro Monat werden fällig. Je nach Auswirkung und Schwere der Verzögerung darf das Finanzamt aber bis zu 25.000 Euro Strafe verhängen.

Gut zu wissen: Ist Ihnen eine fristgerechte Einreichung nicht möglich, etwa aufgrund fehlender Unterlagen, Krankheit oder einem längeren Auslandsaufenthalt, können Sie beim Finanzamt eine Fristverlängerung von vier bis sechs Wochen beantragen.

Tipp 4: Wägen Sie gründlich ab, ob Sie die Unterstützung einer Steuerberaterin oder eines Steuerberaters benötigen

Besonders für Selbstständige mit vielen Buchungen, aber auch für Privatpersonen mit unterschiedlichen Einkommensarten kann eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater hilfreich sein. Diese helfen, wenn Sie sie sich selbst nicht gut mit dem Thema Steuern auskennen oder sich nicht damit auseinandersetzen möchten. Die Steuerberaterin oder der Steuerberater weiß, welche Beträge Sie beim Finanzamt geltend machen können und prüft Ihre Belege entsprechend. So sparen Sie Zeit – vor allem, weil Ihre Beraterin oder Ihr Berater auch die Kommunikation mit dem Finanzamt übernimmt. Außerdem haften Berater für ihre Leistungen.

Wer sich mit Steuern auskennt oder weniger komplexe Steuervorgänge hat, kommt womöglich mit einer Alternative zur Steuerberatung besser aus, zum Beispiel mit einer entsprechenden Software. Der Vorteil: Sie sparen die Gebühr für die Steuerberaterin oder den Steuerberater. Auch haben Sie so die Chance, sich einzuarbeiten und zu lernen, welche Ausgaben Sie steuerlich absetzen können. Ebenfalls von Vorteil: Sie müssen Ihre Belege nicht in die Hände Dritter geben.

Tipp 5: Lassen Sie sich von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten

Eine Steuerberatung ist Ihnen zu teuer, Sie wünschen sich aber trotzdem eine persönliche Ansprechpartnerin oder einen persönlichen Ansprechpartner? Dann suchen Sie sich Unterstützung bei einem Lohnsteuerhilfeverein. Der Verein ist günstiger als eine Steuerberatung und bietet trotzdem feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, mit denen Sie offene Fragen besprechen können. Aber: Selbstständige und Unternehmen erhalten beim Lohnsteuerhilfeverein generell keine Unterstützung. Auch wenn Sie Mieteinnahmen oder Einnahmen aus Kapitalvermögen von mehr als 18.000 Euro bei Einzel- oder 36.000 Euro bei Zusammenveranlagung haben, dürfen Sie nicht auf die Unterstützung des Vereins zählen.

Tipp 6: Registrieren Sie sich bei der Finanzverwaltung für das papierlose Steuerprogramm „Mein ELSTER“

Das elektronische Steuerprogramm Elster ist eine von der Finanzverwaltung bereitgestellte kostenlose Möglichkeit, Steuerangelegenheiten online an das Finanzamt zu übermitteln. Über „Mein ELSTER“ können Sie Ihre Steuererklärung elektronisch abgeben und sich so Papierkram einfach sparen. Über das Programm lassen sich außerdem verschiedene Anträge und Mitteilungen digital an Ihr Finanzamt senden – von Anträgen zu Fristverlängerungen bis hin zu Einsprüchen.

Übrigens: Sollten Sie in vergangenen Jahren das sogenannte „ElsterFormular“ für Ihre Steuererklärung genutzt haben, ist dies für Ihre Steueranmeldungen und -erklärungen 2020 nicht mehr möglich. Die Steuersoftware ElsterFormular wurde letztmalig für das Steuerjahr 2019 zur Verfügung gestellt. Steigen Sie stattdessen auf Mein ELSTER um und regeln Sie Ihre steuerlichen Belange in Zukunft komplett digital.

Tipp 7: Nehmen Sie das Angebot der vorausgefüllten Steuererklärung (VaSt) in Anspruch

Die vorausgefüllte Steuererklärung (kurz: VaSt) ist ein Serviceangebot der Steuerverwaltung. Das Angebot ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern Daten, die den Finanzämtern und Sozialversicherungen vorliegen, automatisch in die eigene Steuererklärung zu integrieren. Dazu gehören Lohnbescheinigungen des Arbeitgebers, Rentenbezugsmitteilungen, Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen sowie zu Riester- und Rürup-Renten. Nach Abruf müssen die Daten nur noch auf Richtigkeit kontrolliert und mit einer elektronischen Unterschrift bestätigt werden. Einzige Voraussetzung: Sie müssen sich zuerst über Elster registrieren.

Tipp 8: Holen Sie frühzeitig die Steuerbescheinigung von Ihrer Sparkasse ein

Sie möchten eine jährliche Steuerbescheinigung Ihrer Sparkasse, in der beispielsweise die Erträge aus Sparverträgen, Festgeldkonten, Bausparen, Aktien und Co. enthalten sind? Bei Fragen sprechen Sie einfach Ihre Beraterin bzw. Ihren Berater an.

Tipp 9: Informieren Sie sich über Corona-bedingte steuerliche Besonderheiten

Viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben im letzten Jahr verstärkt im Homeoffice gearbeitet. Unter Umständen lassen sich entsprechende Mehrkosten in der Erklärung für 2020 steuerlich absetzen. Haben Sie in 2020 Kurzarbeitergeld bezogen, wirkt sich auch das auf Ihre Steuererklärung aus. Informieren Sie sich deshalb rechtzeitig.

Diese besonderen Regelungen gelten aufgrund der Pandemie

Steuerliche Besonderheiten bei Kurzarbeit

Sie waren 2020 in Kurzarbeit? Dann müssen Sie drei Dinge für Ihre Steuer wissen:

Das bedeutet: Haben Sie in 2020 Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro bezogen, sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung für das Jahr 2020 verpflichtet.

Tipp: Sollte dies das erste Mal sein, dass Sie eine Steuererklärung einreichen müssen, und sollten Sie generell beim Thema Steuern unsicher sein, überlegen Sie, ob die Unterstützung einer Steuerberaterin oder eines Steuerberaters Ihnen helfen kann. Auch Lohnsteuerhilfevereine stehen Ihnen unter Umständen zur Seite – und sind oft kostengünstiger als eine Steuerberatung.

Denn: Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei, es unterliegt aber dem sogenannten „Progressionsvorbehalt“. Das heißt: Das Kurzarbeitergeld erhöht den Steuersatz, der für Ihr übriges Einkommen (Ihr Jahresgehalt zuzüglich eventueller Nebeneinkünfte) gilt.

Wichtig für Ihre finanzielle Planung: Aufgrund des Kurzarbeitergeldes kann es zu Steuernachzahlungen für 2020 kommen – darauf sollten Sie sich frühzeitig vorbereiten. Planen Sie mögliche Nachzahlungen mit ein und legen Sie jeden Monat einen zusätzlichen Betrag zur Seite. So sind Sie vorbereitet, sollte es nach Prüfung Ihrer Steuererklärung durch das Finanzamt tatsächlich zu Nachforderungen kommen.

Während Ihrer Kurzarbeit in 2020 einer Nebentätigkeit in Form eines Minijobs nachgegangen sind, wird Ihr Nebeneinkommen aus dem Minijob nicht für die Ermittlung Ihrer Steuerlast angerechnet. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie mit Minijob und Kurzarbeitergeld insgesamt nicht das Gehalt überschreiten, das Sie ohne Kurzarbeit verdient hätten.

Homeoffice beim Finanzamt geltend machen – diese Regelungen bestehen

Sie haben aufgrund der Corona-Krise in 2020 viel im Homeoffice gearbeitet und fragen sich, ob Sie das in Ihrer Steuererklärung 2020 geltend machen können? Diese drei Dinge sollten Sie über die Corona-bedingten steuerlichen Besonderheiten von Homeoffice wissen:

Aber Achtung. Diese Regelung ist an strikte Bedingungen geknüpft. Ganz wichtig: Ihr Unternehmen muss das Homeoffice angeordnet oder die Zahl der Beschäftigten die zeitgleich im Büro arbeiten dürfen so reduziert haben, dass Sie nur für ein oder zwei Tage die Woche ins Büro konnten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen dies nachweisen können. Betroffen sind zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer, die während des Corona-Jahres aus dem häuslichen Arbeitszimmer heraus unterrichten mussten.

Übrigens: Sind Sie zu Hause zu zweit und haben das häusliche Arbeitszimmer während des Corona-Jahres 2020 als Berufstätige gemeinsam genutzt, können Sie beide jeweils bis zu 1.250 Euro geltend machen. Wer dagegen freiwillig im Homeoffice gearbeitet hat, kann dies nicht steuerlich geltend machen.

Dies betrifft Berufstätige, die ohnehin mindestens drei Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten, wie zum Beispiel freie Journalistinnen oder Journalisten. Auch wenn Sie Künstlerin oder Künstler sind, trifft dies zu. Erfüllen Sie die Bedingungen des Finanzamts, können Sie Kosten für Ihr Arbeitszimmer auch im Corona-Jahr 2020 wie gewohnt unbegrenzt geltend machen.

Dabei immer beachten: Das Finanzamt erkennt Kosten für Ihr Homeoffice nur vollständig an, wenn Ihr Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihres gesamten beruflichen Schaffens bildet. Arbeiten Sie auch nur teilweise an einem anderen Ort, trifft dies nicht zu. Auch vorausgesetzt bleibt, dass Ihr Arbeitszimmer nur zum Arbeiten dient. Befindet sich in diesem Raum zum Beispiel ein Gästebett oder ein Sofa, gefährden Sie Ihren steuerlichen Vorteil.

Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer aufgrund von Corona 2020 verstärkt im Homeoffice gearbeitet, verfügen aber nicht über einen separaten Raum für die Arbeit von Zuhause, können Sie keine individuellen Kosten für ein Arbeitszimmer geltend machen. Allerdings hat die Bundesregierung eine sogenannte „Homeoffice-Pauschale“ eingeführt, die für die Jahre 2020 und 2021 gilt. Das bedeutet: Haben Sie zum Beispiel vom heimischen Küchentisch oder vom Sofa aus gearbeitet, können Sie eine Pauschale von bis zu 600 Euro geltend machen.

Zu beachten: Angerechnet werden fünf Euro pro Tag im Homeoffice, die Pauschale ist auf maximal 120 Tage pro Jahr begrenzt – so ergeben sich die 600 Euro. Außerdem rechnet das Finanzamt die 600 Euro Homeoffice-Pauschale bei der Werbungskosten-Pauschale von 1.000 Euro mit ein. Interessant wird die Homeoffice-Pauschale daher insbesondere, wenn Sie zusammen mit anderen Werbungskosten über die 1.000-Euro-Marke kommen. Gleichzeitig sollten Sie bedenken, dass bei Inanspruchnahme der Homeoffice-Pauschale für die entsprechenden Homeoffice-Tage 2020 die Fahrtkosten entfallen, die Sie in vorherigen Jahren womöglich steuerlich geltend gemacht haben.

Noch einmal als Reminder: Immer die geltenden Fristen beachten, um Strafzahlungen für Verspätungen zu vermeiden

Halten Sie sich in jedem Fall an die Fristen für die Steuererklärung 2020. Wenn Sie eine Steuererklärung abgeben müssen und sich selbst darum kümmern, ist die Erklärung bis zum 31. Juli 2021 beim Finanzamt einreichen. Da der Stichtag allerdings auf einen Samstag fällt, verlängert sich die Frist auf Montag, den 2. August 2021. Lassen Sie sich dabei von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater unterstützen, haben Sie hingegen bis 28. Februar 2022 Zeit.