Im Rahmen der Diagnose Mittelstand untersucht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) jährlich die Situation der mittelständischen Unternehmen Deutschlands. Schwerpunkt der Diagnose Mittelstand 2017 ist das Thema Digitalisierung.

Technischer Fortschritt bringt für Unternehmen die Frage mit sich, wann sich eine Investition lohnt. Eine pauschale Antwort hierauf gibt es nicht, hängt sie doch auch von Branche, Größe des Unternehmens und Wettbewerbsverhältnissen ab. Die Vision einer volldigitalisierten Wirtschaft ist aus diesem Grund noch keine Realität und die abwartende Haltung vieler Mittelständler verständlich. Dennoch ist die Digitalisierung kein Thema, das von Rheinland-Pfälzischen Unternehmen stiefmütterlich behandelt wird. Eine Studie der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz e.V. belegt durch eine landesweite Umfrage, dass die Digitalisierung für 79 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer eine große oder sehr große Bedeutung hat. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Digitalisierung ist also geweckt, die Umsetzung ist demgegenüber noch nicht überall erfolgt.

Die Umfrageergebnisse der Diagnose Mittelstand belegen dies: Nur 10,4 Prozent der 403 befragten Sparkassen geben an, dass ihre Firmenkunden bereits einen fortgeschrittenen Stand bei der Digitalisierung aufweisen können. Immerhin gaben 77,6 Prozent der Befragten an, die Digitalisierung sei zumindest in Teilbereichen umgesetzt.
Die Vorreiterrolle hierbei nimmt die Industrie ein. Der Begriff Industrie 4.0 wird hier gelebt. 62 Prozent der Befragten haben der Umfrage zufolge einen weit fortgeschrittenen oder fortgeschrittenen Stand bei der Digitalisierung. Ein Drittel hat sie in Teilbereichen umgesetzt. Der Dienstleistungssektor und der Handel folgen, hier sind 34,6 bzw. 27,1 Prozent weit fortgeschritten oder fortgeschritten in der Umsetzung der Digitalisierung. Das Baugewerbe und das Handwerk haben bislang nur in einem weitaus geringeren Maß auf Digitalisierung gesetzt. Michael Birlin, Verhinderungsvertreter des Vorstands und Bereichsleiter Firmen der Sparkasse Mainz hierzu: „Erfolgreiche Digitalisierung bedarf einer Veränderung der Einstellung aller Beteiligten und eine kritische Überprüfung des bisherigen Handelns. Gibt es einen ganzheitlichen Strategieansatz oder lokale Teillösungen? Sind die Mitarbeiter miteinander vernetzt und wie steht es um deren digitale Fitness? Wie sieht die kanalübergreifende Schnittstelle zu Ihren Kunden aus? Die Beschäftigung mit diesen und anderen Fragen ist vor allem eine riesige Chance zur Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells! Wir wollen die Herausforderungen der Digitalisierung mit Ihnen diskutieren und begleiten Sie als verlässlicher Partner auf diesem Weg.“Michael Birlin, Verhinderungsvertreter des Vorstands, Bereichsleiter Firmen
Michael Birlin, Verhinderungsvertreter des Vorstands, Bereichsleiter Firmen

Erwartungsgemäß zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Umsatzgröße eines Unternehmens und dem Stand der Digitalisierung. Je größer die Unternehmen, desto fortgeschrittener ist in der Regel der Stand der Umsetzung. Vor allem Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr könnten die im Bereich Digitalisierung getätigten Investitionen noch weiter ausbauen.
Betrachtet man die Ursachen, die der Umsetzung der Digitalisierung im Wege stehen, so sehen die befragten Sparkassen die größten potenziellen Treiber für die künftige Entwicklung unter anderem in den Bereichen Qualifikation und Unternehmensmentalität.

Durch eine Dynamisierung dieser Faktoren könnten die zentralen Vorteile der Digitalisierung für den deutschen Mittelstand gehoben werden: Langfristige Kostensenkung bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz. Aus wirtschaftspolitischer Sicht kommen hier Erleichterungen wie z.B. der schnelle Ausbau von Glasfasernetzen, die weitere Anpassung des Rechtsrahmens sowie Investitionen in Bildung und Ausbildung in Betracht.

Neben dem Schwerpunktthema Digitalisierung wurde im Rahmen der Diagnose Mittelstand auch eine Analyse zur Lage des Mittelstands in Deutschland durchgeführt. Die Mehrheit der befragten Sparkassen beurteilt diese in Übereinstimmung mit dem gesamtwirtschaftlich soliden Aufschwung als gut. Dies deckt sich mit dem Stimmungsbild des aktuellen Konjunkturberichts der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammer.