Verlängert bis Ende 2020: Unternehmen können jetzt weitere Zuschüsse beantragen (Update 27.08.2020)

Die Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Betriebe werden bis Ende des Jahres verlängert. Kleine und mittelständische Unternehmen, Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe sind von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Ihnen hilft die Bundesregierung mit weiteren Überbrückungshilfen. Seit 8. Juli können Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die Zuschüsse im Auftrag ihrer Mandanten online beantragen. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Das Wichtigste vorab:

Die Bundesregierung hat für den Zeitraum Juni bis August 2020 ein neues Hilfsprogramm aufgesetzt, um kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler in der Corona-Krise zu unterstützen: die Überbrückungshilfe. Folgende Zuschüsse sind vorgesehen:

  • Antragsteller mit bis zu 5 Beschäftigten:
    bis zu 9.000 Euro für drei Monate
  • Antragsteller mit bis zu 10 Beschäftigten:
    bis zu 15.000 Euro für drei Monate
  • Antragsteller mit mehr als zehn Beschäftigten:
    bis zu 150.000 Euro für drei Monate  

Voraussetzung ist eine wesentliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit durch die Corona-Krise, die anhand von Umsatzvergleichen nachzuweisen ist. Die konkrete Einmalzahlung orientiert sich dabei an den Fixkosten des Unternehmens. Die Antragstellung muss über einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer laufen.

Ob Reisebüro, Gaststätte, Schausteller, Yogastudio, Club oder Bar: Viele Selbstständige oder kleine Unternehmen können nach wie vor gar nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten.

Die Bundesregierung hatte in der ersten Phase der Corona-Krise ein Soforthilfeprogramm aufgesetzt und auch die meisten Bundesländer schnürten in den vergangenen Monaten Hilfspakete.

Nun können betroffene Unternehmen eine Überbrückungshilfe aus Bundesmitteln für die Monate Juni bis August 2020 beantragen.

Wie ist der aktuelle Stand?

Am 25. August haben die Koalitionsspitzen beschlossen, die Hilfen bis Ende des Jahres zu verlängern.  Seit 8. Juli können Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die Hilfen im Auftrag ihrer Mandanten in einem Online-Portal stellen.

Wer kann die Überbrückungshilfe beantragen?

Kleine und mittelständische Unternehmen und Organisationen aus allen Wirtschaftsbereichen können die Hilfen nutzen, genau wie Soloselbstständige, selbstständige Angehörige der Freien Berufe sowie gemeinnützige Unternehmen und Organisationen.

Voraussetzung ist, dass der Geschäftsbetrieb aufgrund der Corona-Krise ganz oder zu wesentlichen Teilen eingestellt werden muss. Wenn der Umsatz in den Monaten April bis Mai 2020 zusammengenommen um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist, gilt diese Bedingung als erfüllt. Wer erst später gegründet hat, kann den Umsatzeinbruch mit den Monaten November und Dezember 2019 vergleichen.

Vor dem 31.12.2019 darf der Antragsteller nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein.

Wie kann ich die Überbrückungshilfe beantragen?

Die Antragstellung erfolgt digital, allerdings müssen Sie dafür die Hilfe eines Steuerberaters, Wirtschaftsprüfers oder vereidigten Buchprüfers in Anspruch nehmen. Sie selbst können den Antrag nicht einreichen. Für die Bearbeitung sind die Bundesländer zuständig.

Die Frist für die Antragstellung endet am 31. Dezember 2020. Der Zuschuss wird nach Prüfung des Antrags in einer Summe ausgezahlt.

Wer erhält wie viel Geld?

Die Höhe des Zuschusses hängt von den Umsatzeinbußen, den Fixkosten und der Zahl der Beschäftigten ab. Antragsteller erhalten:

  • 80 Prozent der Fixkosten bei mehr als 70 Prozent Umsatzeinbruch
  • 50 Prozent der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch zwischen 50 und 70 Prozent
  • 40 Prozent der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch zwischen 40 und unter 50 Prozent

Zudem gilt:

  • Die maximale Förderung liegt bei 150.000 Euro für drei Monate.
  • Soloselbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern erhalten maximal 9.000 Euro.
  • Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten maximal 15.000 Euro.
  • In begründeten Ausnahmefällen können die Höchstbeträge überschritten werden.

Relevant sind die Vollzeitäquivalente, also die errechnete Zahl von Vollzeitstellen. Zwei Mitarbeiter mit 50-Prozent-Stellen ergeben also ein Vollzeitäquivalent.

Was gilt als Fixkosten?

Förderfähig sind fortlaufende, nicht einseitig veränderbare Fixkosten gemäß der folgenden Liste:

  1. Mieten und Pachten für Gebäude, Grundstücke und Räumlichkeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens stehen. Kosten für Privaträume sind nicht förderfähig.
  2. Weitere Mietkosten
  3. Zinsaufwendungen für Kredite und Darlehen
  4. Finanzierungskostenanteil von Leasingraten
  5. Ausgaben für notwendige Instandhaltung, Wartung oder Einlagerung von Anlagevermögen und gemieteten Vermögensgegenständen, einschließlich der EDV
  6. Ausgaben für Elektrizität, Wasser, Heizung, Reinigung und Hygienemaßnahmen
  7. Grundsteuern
  8. Betriebliche Lizenzgebühren
  9. Versicherungen, Abonnements und andere feste Ausgaben
  10. Kosten für Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, die im Rahmen der Beantragung der Corona-Überbrückungshilfe anfallen
  11. Kosten für Auszubildende
  12. Personalaufwendungen im Förderzeitraum, die nicht von Kurzarbeitergeld erfasst sind, werden pauschal mit 10 Prozent der Fixkosten der Ziffern 1 bis 10 gefördert. Lebenshaltungskosten oder ein Unternehmerlohn sind nicht förderfähig.
  13. Provisionen, die Inhaber von Reisebüros den Reiseveranstaltern aufgrund Corona-bedingter Stornierungen zurückgezahlt haben.

Tipp: Finanzhilfen der Bundesländer

Neben der Bundesregierung haben auch viele Länder Hilfsprogramme aufgesetzt, die Unternehmen durch die Corona-Krise bringen sollen. Ob Sie in Ihrem Bundesland Geld beantragen können, erfahren Sie hier.

Muss ich den Zuschuss zurückzahlen?

Nach Programmende findet ein Soll-Ist-Vergleich statt und Sie müssen zu viel gezahlte Zuschüsse zurückgeben, wenn Ihre tatsächlichen Umsätze höher ausfallen als prognostiziert. Sie erhalten aber auch eine Nachzahlung, wenn Ihre Umsätze geringer ausfallen.

Kann ich die Zuschüsse mit anderen Fördermitteln kombinieren?

Das kommt auf die Fördermittel an. Eine Kombination mit anderen Beihilfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist grundsätzlich möglich. Eine Überkompensation ist aber zurückzuzahlen. In jedem Fall sollten Sie sich die jeweiligen Fördervoraussetzungen genau anschauen.

Was bedeutet das für meine Steuererklärung 2020?

Damit der Zuschuss in vollem Umfang den Unternehmen zugute kommt, wird er bei den laufenden Vorauszahlungen nicht berücksichtigt. Zwar ist der Zuschuss grundsätzlich steuerpflichtig, aber das wirkt sich erst dann aus, wenn die Steuererklärung für 2020 eingereicht werden muss.

Bei der Steuerveranlagung für die Einkommen- oder Körperschaftsteuer im kommenden Jahr wird dieser Zuschuss gewinnwirksam berücksichtigt. Nur wenn 2020 ein positiver Gewinn erwirtschaftet wurde, wir dann auf den Zuschuss der individuelle Steuersatz fällig.

Zuschuss, Förderkredit & Co.

In der Corona-Krise gibt es unterschiedliche Arten von Unterstützung für Unternehmen. Was bedeutet was?

Kredit: Banken und Sparkassen leihen ihren Unternehmenskunden weiter Geld, um finanzielle Engpässe zu überbrücken – auch während das Wirtschaftsleben quasi stillsteht, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

Förderkredit: Die Förderbank KfW hat mit Geldern aus einem Sonderprogramm des Bundes ihre Förderkreditprogramme für Unternehmen ausgeweitet. Unternehmen erhalten aus diesen Programmen vergünstigte Kredite. Zugleich übernimmt die KfW bis zu 90 Prozent der Haftung, wenn der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Voraussetzung ist eine sorgfältige Kreditprüfung durch die Hausbank beziehungsweise Sparkasse.

Zuschuss: Viele Hilfsprogramme der Bundesländer sind als Zuschuss gestaltet. Im Gegensatz zum Kredit müssen hier die Gelder grundsätzlich nicht zurückgezahlt werden – vorausgesetzt natürlich, die Kriterien für die Vergabe der Zuwendung werden erfüllt. Einzelne Bundesländern gewähren die Hilfen allerdings auch als „rückzahlbare Zuschüsse“, die nach Ablauf einer bestimmten Frist zurückgezahlt werden müssen.

Bürgschaft: Bund und Länder haben zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise auch Bürgschaftsprogramme ausgeweitet. Das bedeutet: Sie bürgen dafür, dass ein Unternehmen seinen Kredit zurückzahlt – und springen ein, wenn nicht. Mit diesem Rückhalt wollen Bund und Länder Banken und Sparkassen die Kreditvergabe in Krisenzeiten erleichtern.

(Stand: 27.08.2020)