Von Dr. Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft DekaBank

Die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2017 war stärker, als es die Prognostiker vor einem Jahr erwartet hatten. Auch die Aktienmärkte in Europa und den USA übertrafen mit immer neuen Rekorden die Vorhersagen deutlich. Ursache für die zu große Vorsicht der Prognostiker war unter anderem eine im Rückblick übertriebene Sorge vor politischen Störeinflüssen. Mit Blick auf die Unsicherheiten durch die neue US-Regierung, durch den Austritt der Briten aus der EU (Brexit) sowie durch die Wahlen in Frankreich und in den Niederlanden war Ende 2016 die einhellige Meinung, dass die Weltwirtschaft höchstens mit angezogener Handbremse in das Jahr 2017 fahren könnte. Zwar ist die politische Verunsicherung bis heute noch hoch. Die Wirtschaft und die Finanzmärkte sind jedoch gegenüber den vielfältigen politischen Unsicherheiten robuster geworden.

Stabiles Wachstum hält an

Doch nicht nur in seiner Stärke wurde der laufende Aufschwung unterschätzt, sondern auch in seiner Länge. Immer wieder wurde sein Ende angekündigt, aber noch immer ist von Aufschwungsmüdigkeit keine Spur. Das hat das Jahr 2017 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Heute deuten die Signale eindeutig auf eine Fortsetzung der guten wirtschaftlichen Entwicklung hin. Vor diesem Hintergrund betrachten wir die Jahre 2018 und 2019 als stabile Wachstumsjahre. Allerdings werden sie auch zu Übergangsjahren in eine „normalere“ – das heißt schwankungsanfälligere – Welt. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, wie gleichmäßig das globale Wachstum in den Jahren seit 2012 verlaufen ist.

Zentralbanken möchten zurück zur Normalität

Ein wesentlicher Baustein dieser Welt ist die Aussicht auf weitere Jahre mit sehr niedrigen Zinsen. Daran ändert auch der nach langen Jahren begonnene Ausstiegskurs der Notenbanken nichts. Jenseits der Nullzinsgrenze hat neuerdings das Bilanzvolumen der Notenbanken die Zinsen als Gradmesser der geldpolitischen Ausrichtung abgelöst. Formal wird im Jahr 2018 ein weiterer wichtiger Meilenstein bei der geldpolitischen Wende erreicht werden. Mit dem durch die USA angetriebenen Abschmelzen der global aggregierten Zentralbankbilanzen ab dem Jahr 2018 wird der Kurs einer geldpolitischen Normalisierung sachte fortgesetzt. Starke Renditeanstiege wird es aber nicht geben. Wir  erwarten, dass das Ausschleichen der Zentralbanken aus dem Anleihemarkt bestenfalls zu moderaten Renditeanstiegen führen wird.

Bis wieder spürbare Zinsen auf dem Sparkonto ankommen, wird es also noch Jahre dauern. Bis dahin verlieren die Sparer bei einer Inflationsrate, die höher ist als die Sparzinsen, Tag für Tag an realer Kaufkraft. Damit bleibt auch die für die Sparer so schmerzhafte Realzinsfalle intakt.

Vermögensstreuung bleibt erfolgversprechendste Strategie

Wenn Anleger eine positive reale (d.h. nach Inflation gerechnete) Rendite erzielen wollen, werden sie somit auch in Zukunft nicht um die Wertpapiermärkte, insbesondere den Aktienmarkt, herumkommen. Die langfristige Beteiligung an Produktivvermögen erscheint gerade vor dem Hintergrund von noch für längere Zeit niedrigen Kupons am Rentenmarkt als wichtiger Baustein des privaten Vermögensaufbaus. Um den von uns erwarteten stärkeren Marktschwankungen dabei in gewissem Maße entgegenzuwirken, empfehlen sich eine breite Streuung der Anlagen sowie das regelmäßige Sparen in Wertpapiere. Gleichwohl sollten Anleger bedenken, dass sich kapitalmarktbedingte Wertschwankungen negativ auf ihre Anlage auswirken können.

Die enthaltenen Meinungsaussagen geben aktuelle Einschätzung der DekaBank zum Zeitpunkt der Erstellung wieder. Die Einschätzung kann sich jederzeit ohne Ankündigung ändern.