Dorothea Schäfer, Landrätin des Kreises Mainz-Bingen

Dorothea Schäfer, Landrätin des Kreises Mainz-Bingen

Dorothea Schäfer ist seit dem 01. Oktober 2017 Landrätin des Landkreises Mainz-Bingen. Verbunden mit ihrem Amt als Landrätin hat sie zum 01. Januar 2018 auch den Vorsitz des Verwaltungsrats der Sparkasse Mainz übernommen.

Sparkasse Mainz: Frau Landrätin, Sie übernehmen den Verwaltungsratsvorsitz unserer Sparkasse in einer für die Finanzbranche bewegenden Zeit. Dabei bringen Sie viel Erfahrung mit, was die Arbeit in diesem Gremium angeht. Bereits seit 2009 engagieren Sie sich in unserem Verwaltungsrat. Wenn Sie auf diese Zeit zurückschauen, was waren für Sie die bislang prägendsten Einblicke?

Landrätin Schäfer: Mein Einstieg in den Verwaltungsrat fand zu einer Zeit statt, deren Bedingungen man wohl nur als Ausnahmesituation bezeichnen kann. Die ganze Welt und mit ihr der Exportweltmeister Deutschland steckten mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Verursacht in erster Linie durch verantwortungslos handelnde Finanzinstitutionen in den USA. Die Erkenntnisse dieser Zeit waren teilweise erschreckend. Wir sahen zum Beispiel, wie verletzlich das globale Wirtschaftssystem sein kann, wenn Banken plötzlich ihre Dienstleistungen zurückfahren, weil sie selbst in einer schweren Krise stecken. In dieser Situation zeigte sich aber auch die Struktur des deutschen Finanzwesens als äußerst wertvoller Stabilisator. Dank der regionalen Verankerung vor allem der Sparkassen blieb Deutschland eine Kreditklemme damals erspart. Andere Nationen, in denen es solche Bankenstrukturen nicht gibt, haben sich teilweise erst nach vielen Jahren von der Finanzkrise erholen können.

Sparkasse Mainz: Ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Arbeit von Finanzdienstleistern im Jahre 2018 geht direkt auf diese Krise zurück. Zahlreiche Regulierungsansätze prägen seitdem das Geschäftsumfeld. Welche Eindrücke haben Sie von den Auswirkungen der regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Arbeit der Sparkassen gewonnen?

Landrätin Schäfer: Nach einer solchen Krise, wie wir sie in den Jahren nach 2008 erlebt haben, brauchte der Finanzsektor neue Regeln. Sowohl auf globaler, auf europäischer als auch auf nationaler Ebene ist dabei an vielen potenziellen Schwachstellen angesetzt worden. Von der Eigenkapitalausstattung der Banken bis hin zu konkreten Vorgaben für die Beratung von Kunden wurden viele Regulierungsvorgaben entwickelt und umgesetzt. Insgesamt wurde dadurch das Finanzsystem als Ganzes auch sicherer und vor allem transparenter gemacht. Ab einem bestimmten Punkt mussten wir aber auch darauf achten, dass neue Regulierung auch tatsächlich dort wirksam wird, wo eher risikobetonte Geschäfte gemacht werden und nicht ausgerechnet deutsche Sparkassen und Genossenschaftsbanken überproportional eingeschränkt werden. Gerade die haben sich ja in der Krise als verantwortungsvolle Institutionen erwiesen. In der Zukunft wird es beim Thema Regulierung sicherlich vermehrt darauf ankommen, die Stärken dieses Systems zu bewahren.

Sparkasse Mainz: Auch die historische Niedrigzinsphase, mit der die Notenbanken damals auf die Finanzkrise reagierten, hält weiter an und stellt uns vor große Herausforderungen. Wie sollte sich eine Sparkasse Ihrer Ansicht nach vor diesem Hintergrund heute aufstellen?

Landrätin Schäfer: Was die extreme Zinssituation angeht, stellt das bis heute höchste Anforderungen an eine Sparkasse. Das jahrzehntelang selbstverständliche Zinsgeschäft ist bei allen Banken enorm unter Druck. Besonders aber bei Regionalbanken, die ihren Fokus traditionell auf dem Einlagen- und Kreditgeschäft mit den Menschen vor Ort haben. Kaufmännische Weitsicht, strategische Klarheit und eine konsequente Kundenorientierung sind nur drei der wesentlichen Eigenschaften, die es im Umgang mit dieser besonderen Ausgangslage braucht. Meiner Überzeugung nach ist die Sparkasse Mainz hier sehr gut aufgestellt und begegnet den Problemen mit langfristigen Strategien.

Weitere Aufgaben warten allerdings nicht, bis die Zinssituation sich bessert, sondern wollen parallel dazu gelöst werden. Beispielsweise die Digitalisierung.

Sparkasse Mainz: Die Digitalisierung verändert derzeit in atemberaubendem Tempo, wie Menschen ihre Bankgeschäfte erledigen wollen. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht für unser Haus an, um auch in Zukunft die Rolle als regionales Institut erfolgreich auszufüllen?

Landrätin Schäfer: Die zusätzlichen Verbindungen zwischen Kunden und Sparkasse im digitalen Bereich bieten neue Möglichkeiten, die genutzt werden sollen. Diesen Anspruch haben die Menschen der Region zu Recht an ihre Sparkasse. Gleichzeitig darf man dabei den Aspekt der persönlichen Nähe nicht aus den Augen verlieren. Ein spannender Spagat, denn digitale wie persönliche Nähe haben sowohl eine menschliche, als auch eine infrastrukturelle Komponente. Hier gilt es, die Leidenschaft für gute Beratung mit einer stets zeitgemäßen technischen und räumlichen Aufstellung in Übereinklang zu bringen.

Die Sparkasse Mainz hat seit ihrer Gründung vor über 190 Jahren bereits so viele unterschiedliche Rahmenbedingungen erfolgreich gemeistert. Gleich geblieben ist aber immer das hohe Maß an Verankerung in der Region und an Verantwortung für die Menschen und die heimische Wirtschaft. Auch bei den Veränderungen, die im Zuge der Digitalisierung anstehen, halte ich diese Wurzeln für sehr wichtig. Ich glaube sogar, dass genau darin der Schlüssel liegt, mit dem sich eine Sparkasse weiterhin erfolgreich im Wettbewerb auszeichnen kann.

Sparkasse Mainz: Frau Landrätin Schäfer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.