Stark ausgeweitete Kreditversorgung im Mittelstand, steigende Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen und hoher Wertpapierabsatz prägen Geschäftsjahr

Wichtiges aus 2020:

 

  • Das Betriebsergebnis vor Bewertung erreicht im Krisenjahr 2020 mit 18,3 Mio. Euro erneut das zufriedenstellende Niveau des Vorjahres (2019: 18,2 Mio. Euro)
  • Die Durchschnittsbilanzsumme wächst deutlich um 11,6 Prozent auf jetzt 2,621 Milliarden Euro.
  • Das Kreditgeschäft legt um 6,0 Prozent zu. Stärkste Treiber sind hierbei der private Wohnungsbau sowie die Mittelstandsfinanzierung.
  • Das Volumen der Kundeneinlagen nimmt mit einem Plus von 12,3 Prozent sehr stark zu. Zu den fehlenden Konsumausgaben auf der Privatkundenseite im Zuge des Lockdown, die implizit die Sparquote erhöhen, kommt dabei auf Unternehmensseite vielfach der Aufbau von Liquiditätspuffern.
  • Der Provisionsüberschuss sinkt leicht um 1,4 Prozent und liegt damit unter dem Ergebnis 2019, jedoch noch über der Marke des Jahres 2018.

 

Rückblick 2020 und Ausblick 2021

Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Mainz

Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainz

„Der Blick zurück auf unsere Geschäftstätigkeit im historischen Ausnahmejahr 2020 zeigt: Die Sparkasse Mainz hat ihre Rolle als regionaler Stabilitätsanker für eine verlässliche Versorgung der Bevölkerung und des heimischen Mittelstands mit Finanzdienstleistungen und Liquidität in Krisenzeiten erfüllt“, betont Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainz. Besonders in der ersten Jahreshälfte habe der Fokus des Instituts zeitweise fast ausschließlich auf Maßnahmen zur Krisenhilfe für die von der Pandemie stark betroffenen Betriebe gelegen. „24 Stunden nach Inkrafttreten der vom Bund beschlossen Hilfsprogramme waren die ersten Anträge für unsere Unternehmenskunden bearbeitet, nach 72 Stunden flossen die ersten Gelder“, so Thorsten Mühl weiter.

Michael Weil, Vorstand der Sparkasse Mainz, sagt: „Im gesamten Jahr 2020 mussten wir die Abläufe in unserem Geschäftsbetrieb immer wieder der sich schnell verändernden Lage anpassen. Vom hygienisch sicheren Filialbetrieb bis hin zu einer konstant hohen Home-Office-Quote mit Wechselschichtsystem wurden zahlreiche Einzelmaßnahmen im Sparkassenteam so umgesetzt, dass Versorgungssicherheit und die Betreuung unserer Kundinnen und Kunden jederzeit gewährleistet waren. Die gelebte Solidarität zwischen Kundschaft und Belegschaft, die wir in dieser intensiven Krisenphase erfahren haben, ist für uns ein Wert, der nicht in der Bilanz auftaucht, aber den wir dankbar in die kommenden Monate hinein mitnehmen.“

Michael Weil, Vorstand der Sparkasse Mainz

Michael Weil, Vorstand der Sparkasse Mainz

Trotz des außergewöhnlichen Jahresverlaufs sei es gelungen, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte die vertriebliche Stärke der Sparkasse im Beratungsgeschäft einzubringen. Michael Weil stellt fest: „Neben einer deutlichen Ausweitung der Kreditversorgung für den Mittelstand, auch abseits der Corona bedingten Förderprogramme, hat sich die Immobilienfinanzierung weiterhin gut entwickelt. Der Immobilienmarkt in unserer Region bleibt auch in der Krise sehr stabil und die Finanzierungsbedingungen historisch günstig. Das haben erfreulich viele Menschen genutzt, um ihre Pläne für die eigenen vier Wände umzusetzen.“

Im Jahr 2021 stehen laut Thorsten Mühl erneut Aufgaben an, die zusätzlich zu den branchentypischen Herausforderungen gemeistert werden müssen: „Neben dem weiteren Ausbau unserer digitalen Services, dem erfolgreichen Umgang mit dem Zinsumfeld und der Fortsetzung der Investitionen in unser Filialnetz werden wir in diesem Jahr die wirtschaftliche Aufarbeitung der Corona-Krise erleben. Es wird im Nachgang der Pandemie verstärkt zu Insolvenzen kommen. Das konkrete Ausmaß ist aufgrund verschiedener Faktoren aber noch immer sehr schwer abzusehen. Zum einen haben sich viele unserer Unternehmenskunden bereits vor der Krise einen starken Puffer aufgebaut, daher kann man nicht pauschal von einer großen Insolvenzwelle über viele Branchen hinweg ausgehen. Zum anderen hängt natürlich viel daran, wie lange die einschränkenden Maßnahmen noch weiter anhalten. Wir begleiten diesen Prozess bereits jetzt sehr intensiv. In unserer Risikovorsorge gehen wir allerdings äußerst konservativ in dieses Jahr, um mit jedweder Entwicklung sicher umgehen zu können.“

Ein weiteres prägendes Thema für das laufende Jahr und die Zukunft der Sparkasse Mainz könne darüber hinaus die Frage einer weiter vertieften Kooperation mit der Sparkasse Worms-Alzey-Ried sein, bis hin zu einer Fusion beider Häuser. Thorsten Mühl betont: „Die Entscheidung hierüber obliegt naturgemäß den Trägern der Institute und wird derzeit in konstruktiven Gesprächen für die Verwaltungsräte vorbereitet.“

Durchschnittsbilanzsumme:

Die Durchschnittsbilanzsumme erfährt im Jahr 2020 eine deutliche Steigerung um 11,6 Prozent auf 2,621 Milliarden Euro (Vorjahr 2,350 Milliarden Euro). Die auf hohem Niveau weiter wachsende Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen sowie das deutlich ausgeweitete Volumen der Unternehmenskredite und der Einlagen tragen zu dieser Entwicklung bei.

 Betriebsergebnis:

Die Sparkasse Mainz erreicht im durch die Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 mit massiven Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 18,3 Millionen Euro (Vorjahr 18,2 Millionen Euro). Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Durchschnittsbilanzsumme führt dies zu einem relativen Ergebnis von 0,70 Prozent der DBS.

Zinsüberschuss und Zinsspanne

Der Zinsüberschuss geht von 37,2 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 36,2 Millionen Euro im Jahr 2020 zurück. Die Zinsspanne sinkt im Jahresvergleich von 1,58 Prozent auf 1,38 Prozent. Der Ausblick auf eine Fortsetzung der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat sich im Zuge der Corona-Krise auf weitere Jahre verfestigt.

Provisionsüberschuss:

Der Provisionsüberschuss geht um 1,4 Prozent zurück und erreicht mit 16,5 Millionen Euro nicht ganz den Höchstwert von 2019. Überdurchschnittliche Ergebnisbeiträge liefert im Jahr 2020 das Wertpapiergeschäft. Kundinnen und Kunden nutzen die hohe Volatilität an den Kapitalmärkten gezielt zum Ausbau ihrer Depotbestände über Einmalanlagen und vor allen Dingen Sparplänen.

 Verwaltungsaufwand:

Der Verwaltungsaufwand der Sparkasse Mainz reduziert sich im Jahr 2020 um 2,6 Prozent. Dazu leisten sowohl der Sachaufwand (minus 3,1 Prozent) als auch der Personalaufwand (minus 2,4 Prozent) jeweils einen signifikanten Beitrag.

Jahresüberschuss:

Beim Jahresüberschuss ist nach Bewertung, Steuern und Reservepositionen von einem Rückgang um 4,8 Prozent auf 2 Millionen Euro auszugehen. Die Eigenkapitalquote beträgt zum 31.12.2020 15,8 Prozent und ermöglicht damit auch in den Folgejahren ein stabiles Wachstum im Kreditgeschäft.

Mitarbeiter:

Die Sparkasse Mainz beschäftigt zum Jahresende 2020 362 Mitarbeitende (Vorjahr 373). Davon befinden sich 24 Mitarbeitende in Ausbildung. Die Zahl der Auszubildenden wurde damit gegenüber dem Vorjahr um sieben erhöht.

Weitere Angaben zur Geschäftsentwicklung 2020:

 Kreditgeschäft:

Das Kreditvolumen wächst im Jahr 2020 um 6,0 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro. In erster Linie trägt hierzu die um 7,1 Prozent ausgeweitete Versorgung der heimischen Wirtschaft mit Unternehmenskrediten bei, mit der die Sparkasse Mainz gerade in einem Jahr außergewöhnlicher wirtschaftlicher Einschränkungen den Betrieben in der Region finanziellen Spielraum und weitere Investitionen ermöglicht. Im privaten Wohnungsbau und -erwerb steigt die Nachfrage nach Finanzierungen ebenfalls an. Der auch angesichts der Krise stabile Immobilienmarkt der Region begünstigt neben den anhaltend niedrigen Kreditzinsen weiterhin die Investitionsentscheidungen unserer Privatkunden für die eigenen vier Wände. Bemerkenswert sind im Jahr 2020 die deutlichen Steigerungsraten im Förderkreditgeschäft. Diese beruhen im Privatkundensegment auf einem sehr erfolgreichen Einsatz von Förderprogrammen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren in unserer Finanzierungsberatung. In der gewerblichen Förderfinanzierung lässt sich neben der Nutzung der zur Krisenbewältigung aufgelegten Kreditprogramme auch eine deutlich stärkere Inanspruchnahme von Gründerkrediten beobachten.

Einlagengeschäft:

Die mehr als außergewöhnliche Einschränkung des Wirtschaftslebens durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zeigt sich unter anderem an der Entwicklung der Einlagenvolumina. Privatkunden haben über weite Teile des Jahres nur sehr begrenzte Möglichkeiten für alltägliche Konsumausgaben. Entsprechend sammeln sich auf privaten Spar- und Girokonten deutlich höhere Geldbestände als in den Vorjahren. Verstärkt wird das Einlagenwachstum in diesem Segment durch Neukunden der Sparkasse Mainz, die in Krisenzeiten das höchstmögliche Maß an Einlagensicherheit suchen, sodass das Volumen insgesamt um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zunimmt.

Bei den Unternehmen sorgt die Krise im Jahresverlauf zunächst in Teilen für Liquiditätsengpässe, die schnell mit Hilfe kurz- oder mittelfristiger Überbrückungslösungen überwunden werden. In der Folge stocken Betriebe, wo immer möglich, ihre Liquiditätsreserven massiv auf. Dies führt zu einem Einlagenwachstum in diesem Segment von 41,0 Prozent. Insgesamt betragen die Kundeneinlagen zum Jahresende 2,125 Milliarden Euro (Vorjahr 1,893 Milliarden Euro).

Wertpapiere:

Während in vorangegangenen Krisen Privatanleger oft emotionsgetrieben die Kapitalmärkte zum ungünstigsten Zeitpunkt verließen und damit Buchverluste zu realen Verlusten machten, nutzten sie im Jahr 2020 in vielen Fällen die Tiefstände an den Märkten zum deutlichen Ausbau ihrer Depotbestände. Auch die Neuanlage von langfristigen Wertpapiersparplänen profitiert im abgelaufenen Jahr von einem in der Breite der Bevölkerung wachsenden Verständnis für die Bedeutung von Wertpapieren für den Vermögensaufbau.