Am 02. und 03. Oktober 2017 feierte unser Land in Mainz den Tag der Deutschen Einheit. Im Interview auf unserem Blog macht Ministerpräsidentin Malu Dreyer deutlich, wo sie aktuelle Herausforderungen für unsere Gesellschaft sieht und welche Botschaft von der Einheitsfeier ausgehen soll.

Sparkasse Mainz: Frau Ministerpräsidentin, vor 27 Jahren wurde staatsrechtlich die Teilung Deutschlands überwunden. Was bedeutet die Wiedervereinigung für Sie?

Malu Dreyer: Die Wiedervereinigung war ein großes Glück und ist von unschätzbarer Bedeutung für Deutschland. Die Menschen in der DDR haben sich mit friedlichen Mitteln ihre Freiheit erkämpft und sich aus einer Diktatur befreit. Daraus konnte am 3. Oktober 1990 die neue, gemeinsame Bundesrepublik Deutschland hervorgehen. Die Einheit ist heute gelebte Realität. Die jungen Menschen kennen die Wende oft nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern oder aus den Geschichtsbüchern. Umso wichtiger ist es, einmal im Jahr zentral an die bewegenden Ereignisse von 1989/1990, die friedliche Revolution und das große Glück der Wiedervereinigung zu erinnern. Mit dem zentralen Feiertag am 3. Oktober machen wir deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Deutschen heute Bürger und Bürgerinnen eines freien Landes sind, das mit seinen Nachbarn in Frieden lebt.

Sparkasse Mainz: Steht die Politik dabei heute vor neuen Herausforderungen?

Malu Dreyer: Vielerorts wird versucht, neue Gräben in der Gesellschaft aufzureißen. Die Töne sind schärfer geworden in der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung. Politiker und Politikerinnen müssen in einer demokratischen Mehrheitsgesellschaft jedoch Wut und Protest aushalten und ihnen mit den Stärken der Demokratie begegnen: dem Zuhören, dem Zusammenführen von unterschiedlichen Interessen, der konstruktiven Suche nach einer positiven Zukunftsvision. Wichtigstes Signal ist dabei der Satz „Demokratie, das sind wir alle – Zusammen sind wir Deutschland“. Wir müssen insbesondere junge Menschen zum Engagement in Politik und Gesellschaft ermutigen und auch von ihnen lernen. Junge Leute sind politisch; wir erfahren das immer wieder. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig in politische Prozesse einzubeziehen.

Sparkasse Mainz: Welche besondere Botschaft sollte Ihrem Wunsch nach von der diesjährigen Feier zum Tag der deutschen Einheit in Mainz ausgehen? Welche Aspekte sind Ihnen hier besonders wichtig?

Malu Dreyer: Das Fest wird wie auch die Bundesratspräsidentschaft unter dem Motto „Zusammen sind wir Deutschland“ stehen, das herausstellen soll, dass es die Vielfalt ist, die unser Land auszeichnet. Das Motto steht auch für gemeinschaftliches Engagement. Nur wenn sich alle gemeinsam für die Gesellschaft engagieren und für die Demokratie eintreten, dann ist sie zukunftsfähig. Unsere Demokratie lebt davon, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Das gilt auch für das Programm unseres Bürgerfestes, an dem unglaublich viele Partner und Beteiligte mitwirken. Mit dem Programm soll für die Stärken der Demokratie in unserem Land geworben werden. Das Thema Demokratie wird auch eine wichtige Rolle bei der Landespräsentation spielen.

Es sollen besonders junge Menschen angesprochen werden, denn ihre demokratische Mitwirkung ist für die Demokratie lebensnotwendig. Daher wurde auch darum gebeten, dass den Bürgerdelegationen aller Bundesländer vor allem junge Leute angehören, die sich für das Gemeinwesen und für Europa engagieren. Die 160 Mitglieder der Bürgerdelegationen werden in Mainz Gäste des Festgottesdienstes und Festaktes sein und das Bürgerfest mitfeiern.

Wir feiern den Tag der Deutschen Einheit in Mainz im Zeichen von Schwarz-Rot-Gold, den Farben des Hambacher Festes 1832, der „Wiege der deutschen Demokratie“. Die Farben Schwarz-Rot-Gold wurden zum Symbol unserer demokratischen Kultur. Sie stehen für Rheinland-Pfalz und Deutschland, sie stehen für die deutsche Wiedervereinigung und inzwischen auch für ein weltoffenes Deutschland.

Wir wollen diese Farben nicht den Rechtspopulisten überlassen. Deshalb sind die Farben Schwarz-Rot-Gold prägendes Gestaltungselement des Bürgerfestes.

Sparkasse Mainz: Ein Bürgerfest dieser Größe auszurichten ist für alle beteiligten Institutionen eine Mammutaufgabe. Welche Rolle spielt dabei das bürgerschaftliche Engagement von Privatpersonen und Unternehmen?

Malu Dreyer: „Zusammen sind wir Deutschland“, das gilt auch für die vielen Menschen, die dafür sorgen, dass das Fest über die Bühne gehen kann. Rund 1.000 Helfer und Helferinnen in den unterschiedlichsten Bereichen sind am 2. und 3. Oktober im Einsatz. Das sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Landesbehörden und der Stadt Mainz, aber es haben sich auch 280 Bürger und Bürgerinnen gemeldet, die ehrenamtlich als Guides und an den Infopunkten im Einsatz sein werden. Dies zeigt wieder einmal eindrucksvoll, dass Rheinland-Pfalz das Land des Ehrenamtes ist. Wir werden auch durch zahlreiche Unternehmen unterstützt, die sich als Sponsoren engagieren und so ihre Verbundenheit zum Land und zur Wiedervereinigung zum Ausdruck bringen. Auch unsere Medienpartner SWR, RPR1. und die Allgemeine Zeitung begleiten die Einheitsfeier mit vielen Aktivitäten.

Sparkasse Mainz: Vielen Dank für das Interview, Frau Ministerpräsidentin.

Malu Dreyer: Ich danke Ihnen und möchte der Sparkasse Mainz und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch meine Glückwünsche zum 190. Jahrestag aussprechen. Die Sparkasse Mainz ist durch ihre Präsenz vor Ort ein wichtiger Ansprechpartner für die Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger in der Region. Sie verbindet die Versorgung der Bevölkerung mit Finanzdienstleistungen und die Kreditvergabe an die regionale Wirtschaft mit der Förderung gesellschaftlichen Engagements.