Dr. Johann Christian Eberle

Dr. Johann Christian Eberle

Mit Johann Christian Eberle möchten wir Ihnen eine Persönlichkeit vorstellen, welche die Sparkassen, wie wir sie heute kennen, maßgeblich gestaltet hat.

Im Jahr 1869, die Sparkasse Mainz hatte erst kurz zuvor die ersten eigenen Kassenräume in der Klarastraße bezogen, wurde im rheinland-pfälzischen Laumersheim ein Mann geboren, der im Laufe seines Lebens die Sparkassen grundlegend veränderte. Zu dieser Zeit erlebte das „Modell“ Sparkasse einen Höhenflug. Nicht nur in Mainz fand der Gedanke, den Bürgern das Ersparen eines Notgroschens für schlechte Zeiten oder Krankheit zu ermöglichen, großen Anklang. So wurden alleine zwischen 1840 und 1860 ca. 800 neue Sparkassen gegründet. Große Teile der Bevölkerung dürften um diese Zeit erstmals die Möglichkeit gehabt haben, Bankdienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

1889, im Jahr der Weltausstellung in Paris, begann Eberle ein Studium der Rechtswissenschaften sowie Philosophie und Volkswirtschaft in Heidelberg. Weitere Stationen seines Studiums waren München und Leipzig, wo er nach seiner Promotion 1896 Ratsassessor der Stadtverwaltung Leipzig wurde. Hier hatte Eberle seinen ersten Kontakt mit der dortigen Sparkasse, denn ihm oblag auch die Sparkassenverwaltung. Von da an sollten die Sparkassen eine immer wichtigere Rolle in seinem Leben einnehmen, auch wenn es ihn vordergründig in die Politik zog. 1898 wurde Dr. Johann Christian Eberle Bürgermeister der Stadt Nossen im Landkreis Meißen. Durch dieses politische Amt wurde Eberle auch der Vorsitzende der städtischen Sparkassen.

Einige Jahre danach traf die „Panik von 1907“ die Bankenwelt. Im Verlauf dieser Finanzkrise führten Bank Runs zum Bankrott zahlreicher Kreditinstitute in den USA, verursacht auch durch zu geringe Liquidität. Angeregt durch dieses Ereignis machte sich Johann Christian Eberle Gedanken darüber, wie man die Geldversorgung der Wirtschaft unabhängiger von Bargeld gestalten konnte. Als Ergebnis schlug Eberle die Einführung eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs vor. Was für uns heutzutage selbstverständlich erscheint – Überweisungen ausführen, Online-Banking, bargeldlos bezahlen – hat hier seine Wurzeln. Der Fortschritt, der in diesem Gedanken steckt, wird deutlich, wenn man sich vorstellt, wie Geld bis dahin transferiert wurde: Kaufleuten stand unter Umständen die Möglichkeit offen, per Wechsel zu bezahlen. In allen anderen Fällen musste das Geld bar zu seinem Empfänger gebracht werden. Wer sein Geld keinem Boten anvertrauen wollte, musste sich wohl oder übel selbst aufs Pferd schwingen oder per Eisenbahn zu seinem Ziel gelangen. Die Bargeldlogistik stellte folglich einen großen Aufwand dar.

Hinzu kamen politische Spannungen. Die sächsische Landesregierung wollte den Sparkassen Anlagequoten vorschreiben und sie zum verstärkten Erwerb staatlicher Schuldverschreibungen zwingen. Den Sparkassen und Gemeinden war an einer solchen Vorschrift jedoch nicht gelegen. Die Idee zur Gründung eines Giroverbandes, der zum einen der Umsetzung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs dienen, den Gemeinden aber auch zur Durchsetzung ihres Rechts auf kommunale Selbstverwaltung verhelfen sollte, keimte auf.

Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden und so nahm zum Jahresbeginn 1909 der auf Initiative von Dr. Johann Christian Eberle neu gegründete Giroverband sächsischer Gemeinden seine Tätigkeit für 143 Girokassen auf. Eberle war an der Gründung vieler weiterer Verbände entscheidend beteiligt, bis schließlich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband im Jahr 1924 gegründet wurde, dem Dr. Johann Christian Eberle als stellvertretendes Vorstandsmitglied bis zu seinem Tode im Jahr 1937 angehörte.

Dr. Johann Christian Eberle arbeitete über drei Jahrzehnte hinweg daran, die Sparkassen als eigenverantwortliche Körperschaften zu gestalten. Wirtschaftsethische Grundsätze waren ihm dabei stets wichtig. Durch sein Wirken wurde er als „Erneuerer der deutschen Sparkassen“ bekannt und prägte das Gesicht der Sparkassenorganisation entscheidend. Diesem Verdienst wird auch durch die Verleihung der Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille gedacht, welche als höchste Auszeichnung für besondere Verdienste um die Sparkassenorganisation seit dem Jahr 1975 vergeben wird.

In diesem Geiste ist die Sparkasse Mainz seit über 190 Jahren für die Menschen in und um Mainz in allen Finanzfragen ein verlässlicher Partner – nicht nur wenn es um bargeldloses Bezahlen geht. Damals wie heute waren Sparkassen mit gesellschaftlichen, technischen und politischen Änderungen konfrontiert. Und nach wie vor arbeiten wir daran, die Sparkasse Mainz jeden Tag ein Stück für Sie zu „erneuern“.