So kommt Deutschland bisher durch die Corona-Krise

Ein knappes halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie hat in der deutschen Wirtschaft eine spürbare Erholung eingesetzt. Nach einem beispiellosen Einbruch in den Monaten März und April geht es seit Mai an vielen Stellen wieder aufwärts. Was hat zur schnellen Belebung der Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beigetragen?

Sechs Monate Corona – eine Zwischenbilanz

Corona-Bilanz: Die Erholung hat begonnen

Seit den weltweiten Lockerungen der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen sind Nachfrage und Angebot im In- und Ausland wieder angestiegen. Davon profitieren die Unternehmen in nahezu allen Branchen.

Dabei steht der Aufholprozess nach dem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im  zweiten Quartal 2020 um 11,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erst am Anfang: Der Rat der Wirtschaftsweisen der Bundesregierung geht nunmehr davon aus, dass das BIP im gesamten Jahr 2020 um 6,5 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken wird. Das wäre die schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

Zu Beginn der Pandemie betrug die Prognose der fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch minus 2,8 Prozent. Für 2021 rechnen sie mit einem Anstieg um 4,9 Prozent. Eine Rückkehr auf das Niveau vor COVID-19 ist ihnen zufolge 2022 zu erwarten.

Kurzarbeit stabilisiert Lage am Arbeitsmarkt

Auch die Situation am Arbeitsmarkt hat sich bereits wieder verbessert: Die Zahl der Arbeitslosen stieg nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit im Juni mit plus 69.000 Personen spürbar schwächer. Im April und Mai waren es noch plus 372.000 beziehungsweise plus 237.000 Personen.

Außerdem befanden sich im Mai etwa sechs Millionen Personen in Kurzarbeit, nachdem es im April noch knapp sieben Millionen waren. Der massive Einsatz der Kurzarbeit hat offensichtlich entscheidend dazu beigetragen, einen wesentlich stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden und die Kraft der deutschen Wirtschaft zu stabilisieren.

Belebung in der Industrie und im Einzelhandel

Die Industrie meldete dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge für Mai einen Produktionszuwachs von plus 10,3 Prozent gegenüber April. Im Bereich Kfz und Kfz-Teile erholte sich der Produktionsindex besonders stark.

Auch in Teilen des Dienstleistungssektors hat die Erholung eingesetzt. Dies zeigt zum Beispiel die Entwicklung im Einzelhandel im Mai: Mit einem Plus von 13,9 Prozent laut Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel die Gegenbewegung zum April deutlich aus. In der zweiten Jahreshälfte entstehen weitere Anreize zum Konsum durch die befristete Senkung der Steuern vom Umsatz.

Deutscher Export trägt zu Kapazitätssteigerung bei

Einen wichtigen Beitrag zu der gesamtwirtschaftlichen Erholung leistet die Nachfrage nach deutschen Gütern im Ausland: Im Mai konnten sich die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge mit einem Anstieg von 7,7 Prozent gegenüber April von ihren kräftigen Rückgängen in den beiden Vormonaten etwas verbessern. Im April betrugen diese noch minus 22,4 Prozent und im März minus 10,8 Prozent.

Auffällig ist dabei, dass sich die Ausfuhren zu Handelspartnern, die besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen sind (etwa die USA und Großbritannien) deutlich schwächer entwickeln als zu anderen Staaten, die die Pandemie offensichtlich besser im Griff haben wie zum Beispiel China.

Hausbanken: Zugpferde der Erholung

Ein wesentlicher Faktor für die national und international bestaunte schnelle Erholung ist das Hausbankprinzip in Deutschland. Ganz gleich ob Konzern, Mittelständler, Imbissbude oder Lederfachgeschäft: Die deutsche Wirtschaft erweist sich wie auch schon in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren als so widerstandsfähig, weil die Kreditinstitute an der Seite ihrer Kunden bleiben.

Sparkassen vergeben Kredite, öffentliche Förderung und Moratorien

Die Geldinstitute in Deutschland reichten der staatlichen Förderbank KfW zufolge im Vergleich zum Vorjahr 7,3 Prozent mehr Kredite aus. Von März bis Mai haben allein die Sparkassen nach Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) an ihre mittelständischen Kunden insgesamt rund 30 Milliarden Euro neue Kredite ausgegeben. Ihre Kreditzusagen an Unternehmen liegen demnach seit Jahresbeginn 22 Prozent über Vorjahresniveau, im April sogar um 39 Prozent und im Mai um 35 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Bis Anfang Juni 2020 haben die Sparkassen laut DSGV Förderkredite im Volumen von fast fünf Milliarden Euro ausgereicht. Zuvor haben sie ihre Kunden bei der Beantragung dieser Kredite umfassend beraten und werden sie nun über die Darlehenslaufzeit von bis zu zehn Jahren betreuen. Außerdem prüfen sie im Rahmen der Kreditbearbeitung die vertragsgemäße Verwendung der Förderung – nicht zuletzt im Interesse der Steuerzahler.

1,4 Millionen Beratungsgespräche mit gewerblichen Kunden

Allein in den ersten Krisenwochen haben die Sparkassen rund 1,4 Millionen Beratungsgespräche mit ihren gewerblichen Kunden geführt. In mehr als 366.000 Fällen haben sie Zins- und Tilgungsleistungen ausgesetzt. Viele dieser durch die Sparkassen ausgesprochenen Moratorien gehen über die gesetzliche Regelung (April bis Juni 2020) hinaus und ermöglichen Unternehmen Tilgungsaussetzungen von bis zu zwölf Monaten.

Ähnlich wie Stoßdämpfer helfen die Sparkassen den Betrieben und Unternehmen, die Schocks der Corona-Pandemie abzufedern: Sie tragen nicht nur entscheidend dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft die schweren Auswirkungen der Krise überstehen kann, sondern auch in der Lage ist, den nun wieder einsetzenden Aufschwung bedienen zu können.