Bund beendet seine Corona-Hilfen für Studierende

Bis zum 30. September konnten Studierende noch Corona-Finanzhilfen beantragen. Seitdem beendete das Bundesbildungsministerium (BMBF) das Programm. Mit rund 60 Millionen Euro bezuschusste der Staat Studierende seit dem Programmstart im Juni. Zurückzahlen müssen Empfänger das Geld nicht. Aber auch ohne Überbrückungsangebote stehen Hilfen bereit. Welche das sind und wo aus Sicht der Studierenden dringend Nachholbedarf besteht.

Finanzielle Hilfen für Studenten

Nur jeder fünfte Student erhält BAföG, mehr als zwei Drittel der Studierenden sind erwerbstätig. Ob Barkeeper, studentische Hilfskraft im Maschinenbau oder Verkäuferin in der Buchhandlung – mit der Schließung von Geschäften und der Zwangspause für viele Unternehmen gingen über Nacht zehntausende Studentenjobs verloren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Finanzhilfen und Arbeitsmöglichkeiten.

Was passiert mit meinen BAföG-Ansprüchen?

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat eine Art Garantieerklärung abgegeben: „Keiner soll sich wegen Corona um sein BAföG-Geld Sorgen machen.“ Die BAfÖG-Leistungen werden also weitergezahlt, auch wenn der Hochschulbetrieb ruht.

Auch Studienanfänger, deren Semester-Start sich nun verzögert, erhalten ihre Förderung, so als ob die Präsenzvorlesungen zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt begonnen hätten.

Wichtig dabei: Wenn die Hochschule Lernangebote im Internet unterbreitet, sind Studierende, die BAföG-Leistungen beziehen, im gleichen Umfang wie beim normalen Lehrbetrieb verpflichtet, diese Angebote zu nutzen. Wer das Studieren also von sich aus sein lässt, obwohl es Online-Veranstaltungen gibt, verliert unter Umständen seinen Anspruch auf Ausbildungsförderung.

Das Bildungsministerium hat weitere pandemiebezogene Informationen rund um die BAföG-Leistungen veröffentlicht.

Ich habe bislang Unterhalt von meinen Eltern erhalten, aber jetzt stehen sie wegen der Corona-Pandemie selbst vor finanziellen Problemen.

Hier kann ein BAföG-Aktualisierungsantrag helfen. Dann wird das niedrigere Einkommen der Eltern – oder des Ehepartners – zu Grunde gelegt und nicht mehr das des vorletzten Kalenderjahres. „Die Chancen, mehr BAföG zu bekommen, steigen erheblich“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.

Ich habe meinen Nebenjob verloren. Was kann ich tun?

Studierende erhalten in der Regel kein Kurzarbeitergeld, wenn ihr Arbeitgeber sie nicht mehr beschäftigen darf oder kann. Auch hier sollte geprüft werden, ob sich jetzt ein BAföG-Antrag lohnt, empfiehlt das Studentenwerk. Manche Studierenden hätten als Härtefall auch Anspruch auf ALG II.

Es ist auch keinesfalls so, dass Studierende nirgendwo mehr arbeiten dürften – im Gegenteil: In vielen Branchen werden gerade Studierende gesucht, die mit anpacken, etwa im Gesundheitswesen, im Einzelhandel und in der Landwirtschaft. Die Studierendenwerke bieten entsprechende Jobbörsen. Auf jobmensa.de gibt es ebenfalls zahlreiche Angebote.

Der Gesetzgeber hat zudem die Zeitgrenze für eine kurzfristige Beschäftigung ausgeweitet: Studenten haben in der aktuellen Situation also die Möglichkeit, 115 statt 70 Tage zu arbeiten, ohne dass sie Sozialversicherungsabgaben leisten müssen. Das gilt seit dem 1. März 2020 bis einschließlich 31. Oktober 2020.

Wenn ich jetzt im Krankenhaus oder bei der Ernte helfe – verliere ich dann meine Bafög-Ansprüche für das gesamte Jahr?

Wer sich im während der Coronavirus-Pandemie im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen oder in der Landwirtschaft engagiert, bekommt den Hinzuverdienst nur für die Zeit seiner Tätigkeit angerechnet. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat der Bundestag beschlossen.

Zuvor galt, dass die Gesamtsumme von Erwerbseinkommen auf alle Monate eines Bewilligungszeitraums angerechnet wurde. Die Anrechnung wirkte sich damit nicht nur auf Beschäftigungsmonate aus, sondern auf das komplette Jahr.

Dem Deutschen Studentenwerk geht die Anpassung noch nicht weit genug: Die Interessenvertretung setzt sich dafür ein, dass Einkommen, die Studierende bei der Pandemiebekämpfung erzielen, überhaupt nicht aufs BAföG angerechnet werden.

Ich brauche dringend Geld, um diese Krise zu überbrücken

Das Deutsche Studentenwerk fordert von Bund und Ländern einen Studienfonds, aus dem Studierende in finanzieller Notlage rasch und unbürokratisch Hilfe bekommen. Bislang gibt es solche Hilfen nicht.

Über die Darlehenskasse des Studenten-/Studierendenwerks am Hochschulort kann man möglicherweise ein zinsloses Darlehen erhalten. Welche Werke eine Darlehenskasse haben, steht auf der Internetseite des Deutschen Studentenwerks.

Bei der Finanzierung des Lebensunterhalts kann auch der KfW-Studienkredit helfen. Er wird unabhängig vom Einkommen gewährt, Sicherheiten sind nicht notwendig. Die Kredithöhe liegt zwischen 100 und 650 Euro pro Monat.

Für alle, die den Studienkredit bereits nutzen, hat die KfW wegen der Corona-Pandemie die Frist zur Einreichung von Verlängerungsbescheinigung, Studienbescheinigung und Leistungsnachweisen verlängert.